Obstbäume in der Melsunger Gemarkung (+ HNA-Artikel, 18.01.2021)

Obstbäume in der Melsunger Gemarkung (+ HNA-Artikel, 18.01.2021)

In einem viel beachteten Leserbrief beklagte sich Adolf Köttig über den Mistelbefall an den Obstbäumen in der Gemarkung Melsungen. Köttig „es macht mich traurig und wütend, wenn ich unterwegs bin und die hunderte alter Obstbäume sehe, die von Misteln befallen sind und absterben werden… Warum kümmert sich keiner um diese wertvollen alten Bäume, warum schneidet keiner die Misteln ab, damit die Bäume erhalten bleiben..

Auf Antrag von Stadtrat Martin Gille befasste sich der Magistrat mit dem Problem und fasste am 16.12. unter anderem folgenden Beschluss: „Bei 250 Jungbäumen sollen Misteln durch Rückschnitt entfernt werden. Altbäume sollen nach und nach entfernt und durch Neuanpflanzungen ersetzt werden“.

In der Gemarkung gibt es übrigens ca. 2.200 Obstbäume! (Auf dem Bild: Adolf Köttig)

HNA, 18.01.2021

Mel­sun­gen – Nicht nur Spa­zier­gän­ger mögen den Weg am Kes­sel­berg mit den alten Ap­fel­bäu­men am We­ges­rand. Of­fen­sicht­lich auch Vögel, ins­be­son­de­re die Mis­tel­dros­seln. Sie las­sen sich gerne in den obe­ren Zwei­gen der Ap­fel­bäu­me nie­der. Das Er­geb­nis: Die Äste hän­gen vol­ler Mis­tel­pflan­zen. Die sehen aus wie Ku­geln, man­che sind groß wie Me­di­zin­bäl­le. Jetzt, in den Win­ter­mo­na­ten, sind sie in den laub­frei­en Obst­bäu­men schon von Wei­tem zu sehen. Des­halb geht die Stadt Mel­sun­gen nun gegen die Mis­teln vor.

In Mel­sun­gen gibt es nach Aus­kunft von Axel Schä­fer, Gar­ten­land­schafts­bau­meis­ter beim Melsun­ger Bau­hof, rund 2200 Obst­bäu­me. Er schätzt, dass rund 15 Pro­zent von ihnen von Mis­teln be­fal­len sind. Ober­halb vom Kes­sel­berg ist der Be­fall der Bäume am stärks­ten. Be­trof­fen sind vor allem Ap­fel­bäu­me, aber es gibt Mis­teln auch in Pap­peln, Wei­den, Bir­ken, Bu­chen und Kie­fern.

Ab Ende Ja­nu­ar sol­len Mis­teln mit­samt des Asts, auf dem sie wach­sen, aus jun­gen Bäu­men her­aus­ge­schnit­ten wer­den, kün­digt Axel Schä­fer an. Wie sie dort hin­ge­kom­men sind? Der Ex­per­te er­klärt: Die Mis­tel­dros­sel frisst Früch­te der Mis­tel, und schei­det die kleb­ri­gen Kerne wie­der aus. Diese kei­men auf den Ästen. Die Wur­zeln der Mis­tel­pflänz­chen drin­gen in den Baum ein, um an den Was­ser­fluss des Bau­mes zu ge­lan­gen und um ihm so Was­ser zu ent­zie­hen. Das kann im Laufe der Jahre dazu füh­ren, dass der Baum ab­stirbt.

Mit Hoch­en­tas­ter, Lei­ter und Te­le­la­der mit Ar­beits­korb wer­den die Mit­ar­bei­ter des Bau­hofs bis Ende Fe­bru­ar bei der Obst­baum­pfle­ge von Mis­teln be­fal­le­ne Äste ab­schnei­den. Warum nicht le­dig­lich die Mis­tel­pflan­zen ab­ge­schnit­ten wer­den? „Die Mis­teln wür­den dann wie­der aus­trei­ben, und nach vier, fünf Jah­ren wären dann wie­der fuß­ball­gro­ße Pflan­zen am Ast.“

Bei jun­gen Bäu­men sei die Mis­tel­pfle­ge „sinn­voll und wirt­schaft­lich“, be­stä­tigt auch Ge­rald Zöl­ler aus dem Fach­be­reich Um­welt­schutz der Stadt. Als junge Bäume gel­ten Bäume zwi­schen 20 und 40 Stand­jah­ren. Stark be­fal­le­ne alte Ap­fel­bäu­me müs­sen mög­li­cher­wei­se ge­fällt wer­den. Bei we­ni­gen Ex­em­pla­ren sei das kein Pro­blem. Soll­ten es meh­re­re sein, werde dies na­tür­lich mit den Na­tur­schutz­ver­bän­den und der Un­te­ren Na­tur­schutz­be­hör­de in Hom­berg ab­ge­spro­chen. Für jeden ge­fäll­ten Baum wird ein neuer ge­pflanzt. In der Ge­mar­kung am Kes­sel­ber­ge, wo viele Bäume stark be­fal­len sind, ste­hen die äl­tes­ten Ap­fel­bäu­me der Stadt. Axel Schä­fer sagt: „Das sind un­se­re Ve­te­ra­nen.“ Sie sind bis zu 90 Jahre alt. Säßen Mis­teln auf Star­käs­ten, die dar­auf­hin ent­fernt wer­den müss­ten, hätte der Baum keine Chan­ce, sich zu weh­ren. „Das wäre Fre­vel.“